Netzwerkkabel verlegen & anschließen! Wie, wo und warum?

Sei es das Homeoffice, oder einfach nur das Arbeits- oder PC-Zimmer zu Hause. Ein Computer – verbunden mit dem Internet – gehört mittlerweile zur Standardausstattung in jedem heimischen Arbeitszimmer.

Warum und wie das Zimmer geschickt ans WWW (via Netzwerkkabel und nicht per WLAN) angebunden wird, möchte ich nachfolgend festhalten.

 

Warum nicht WLAN (Funk) sondern LAN (Netzwerkkabel) Netzwerk in der Wohnung?

Wenn Möglich, sollte immer einer strukturierte Netzwerkverkabelung bevorzugt werden.

Mal ganz abgesehen von den Sicherheitslücken, die ein WLAN-Netzwerk mit sich bringt, ist die Reichweite des WLAN nur stark begrenzt und die Signalstärke lässt bei mehreren Wänden und Decken deutlich nach.
Dies führt zu einer langsamen Verbindung, bis hin zu häufigen Verbindungsabbrüchen und somit zu Frust und Ärger.

Um sich hinterher genau diesen sparen zu können, sollten man sich bei der Einrichtung eines neuen Arbeitsraumes rechtzeitig Gedanken machen, wie das Zimmer aufgebaut werden soll und wo PC-Arbeitsplätze einmal stehen sollen.

Auch die Frage, ob ein Telefon, ein Drucker, ein Faxgerät, ein Scanner, oder ein beliebiges anderes Gerät mit Zugriff auf Netzwerk bzw. Internet an diesem Arbeitsplatz betrieben werden soll gilt es zu bedenken.

Der Einfachheit halber sollte pro Gerät ein verkabelter Netzwerkanschluss vorgesehen werden. Zum Schluss noch 1-2 Anschlüsse frei zu haben, ist sicher kein Fehler. In Anbetracht der Tatsache, was sich die letzten 10 Jahre technisch verändert hat, kommt in den nächsten Jahren sicher noch Einiges auf uns zu!

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt zur Netzwerkverkabelung?

Für den richtigen Zeitpunkt muss man natürlich differenzieren, ob es sich um einen Neubau handelt, eine Eigentumswohnung oder ein Mietobjekt, welches ausgetstattet werden soll.

Wird ein neues Haus gebaut, sollte man bei der Wahl des Elektroplaners schon darauf achten, dass dieser mit Datennetzwerken vertraut ist und hier eine strukturierte, sternförmige Verkabelung zu Beginn planen und später auch ausführen kann.
Mit dem Elektroplaner findet man einen zentralen Punkt im Haus, an dem alle Kabel zusammenführen und von dieser Stelle aus wird alles gesteuert.
Wie oben erwähnt, sollte man sich auch hier zuvor Gedanken machen, wie viele Geräte im Arbeitszimmer stehen sollen und wie viele Anschlüsse man somit benötigt.

In einer Eigentumswohnung oder einem bereits ausgebauten Haus, gilt es zu überlegen, ob man vor Einzug noch eine strukturierte Verkabelung nachrüsten möchte, oder doch lieber die nachfolgend beschriebene Methode des Nachrüstens Aufputz in Kabelkanälen benutzt.

Wer aktuell, so wie ich, zur Miete wohnt, kann sich ganz einfach für eine Netzwerkverkabelung in Kabelkanälen entschieden. Diese Methode erfordert nicht das Klopfen von Schlitzen, ist jederzeit nachrüstbar und kann bei Auszug wieder ohne Beschädigung der Wohnung zurückgerüstet werden.

Für das Verlegen der kabel benötigt man auch kein umfassendes Know-How.
Folgendes wird benötigt:

 

Womit beginnt man bei der nachträglichen Verkabelung?

Zuallererst sollte der Anschlusspunkt in der Wohnung / im Haus zum Internet gefunden werden. Bei herkömmlichen Telekom-Anschlüssen (o. 1und1, oder auch lokaler Anbieter) ist dies meist eine Telefonanschlussdose der Telekom (TAE-Dose) mit einer 1 darauf (Abbildung - links). Wenn der Internetzugang via Kabel erfolgt, so wird das Modem / der Router an die Kabel-TV-Radio-Dose mit angeschlossen und sieht somit so aus wie auf Abbildung - rechts.

TAE Dose / Kabel Dose

Weiter sollte überlegt werden, in welchen Räumen evtl. noch eine Netzwerkdose, also ein LAN Anschluss benötigt werden. Häufig macht es Sinn, auch dem Fernseher (oder eventuellen Streaminggeräten: FireTV, AppleTV etc.) einen verkabelten Netzwerkanschluss zur Verfügung zu stellen, da die Verbindungsqualität, wie oben beschrieben, einfach deutlich besser ist.

WICHTIG: Pro Netzwerkanschluss muss ein eigenes Kabel verlegt werden. Ein Netzwerkkabel kann nicht (wie z.B. ein Stromkabel) mehrere Dosen speisen.

In meinem Fall habe ich einen Kabelinternetanschluss (ehemals Kabel Deutschland, heute Vodafone) gebucht und die Anschlussdose dafür befindet sich im Wohnzimmer.

Da sich die meisten meiner Geräte (PCs, Drucker, Netzwerkspeicher, Server) im Arbeitszimmer befinden sollen, habe ich ein Netzwerkkabel als Zuführung in selbiges gelegt und verteile von dort aus wie folgt:

  • 1x Netzwerkleitung ins Wohnzimmer - für TV
  • 2x Netzwerkleitung ins Schlafzimmer - ebenfalls für TV
  • 1x Netzwerkleitung im Arbeitszimmer selbst - für Switch / Unterverteilung

Somit sollten die wichtigsten Punkte der Wohnung mit Kabelnetzwerk abgedeckt werden können.

Da nun die Strecken bekannt sind, kann sowohl die Länge der benötigten Kabelkanäle als auch die Länge des benötigten Kabels ermittelt werden.

Verlegen der Kabelkanäle & Kabel

Es empfiehlt sich, zuerst die Kabelkanäle Stück für Stück zu verlegen.
Man beginnt am Besten an einer Seite / Ecke und schneidet das erste Stück passend zu.

Pro-Tipp: Ecken, an denen zwei Kabelkanäle aufeinander treffen, im 45°-Winkel zuschneiden, so ergibt sich daraus eine saubere Ecke und ein schöner Übergang. Kabelkanäle und Deckel sind am geschicktesten getrennt voneinander zuzuschneiden.

Kabelkanäle, die am Boden, z.B. an einer Sockelleiste entlang verlegt werden, können einfach mit Acryl (etwas auf der Rückseite auftragen, andrücken, festhalten, fertig) angeklebt werden. Kanäle, die an Wand und Decke verlegt werden, sollten geschraubt werden. Je nach Wand benötigt man Dübel in der Wand, sodass die Schrauben gut halten – es kommt schließlich das Gewicht der Kabel in die Kanäle und diese sollen das ja über eine ganze Weile tragen.

Sind alle Kanäle montiert und fest, sind alle Deckel zugeschnitten und es passt, so kann mit dem Verlegen der Kabel begonnen werden.

Zuerst sollte die Länge des ersten Kabels (bei mir: Wohnzimmer - Internetanschlussdose nach Arbeitszimmer - weitere Verteilung) gemessen werden. Dabei ist zu beachten, dass eventuelle Wände, durch die man muss, zur Kabellänge hinzugerechnet werden.

Als Faustregel rechne ich pro Seite ca. 1,5m auf die gemessene Länge drauf. Als Puffer und dafür, dass das Kabel später bequem aufgelegt und angeschlossen werden kann. Eventuell zu langes Kabel kann man als Zugentlastung in den Kanal verlegen, oder immer noch etwas kürzen.

Bevor das erste kabel komplett in die Kanäle gelegt werden kann, müssen natürlich noch die Wanddurchbrüche gemacht werden. Es empfiehlt sich, hier je nach Wandbeschaffung auf eine leistungsfähige Bohrmaschine inkl. entsprechendem Bohrer zurückzugreifen. So ein Profigerät muss man auch dafür nicht zwangsweise kaufen. In vielen Baumärkten kann man eine solche Ausrüstung ausleihen. Ein Bohrer mit einem Durchmesser von 10mm sollte für 1 Kabel gut ausreichen.

Sind alle Durchbrüche gemacht, so kann das Kabel (beginnend an einer Seite) Stück für Stück in den Kanal gelegt werden. Hinter jedem Abschnitt kann direkt der Deckel des Kabelkanals aufgesteckt werden, so kann das Kabel nicht wieder herausfallen. Am Anfang und am Ende sollten dann jeweils 1-1,5m Kabel herausschauen.

 

Das Auflegen der Dosen

Das verlegte LAN-Kabel hat vier verdrillte Litzenpaare und eine Schirmung (Shielded Twisted Pair). Diese sind nochmals abgeschirmt und befinden sich in einem Gesamtgeflecht in einem LAN- bzw. Netzwerkkabel.

Für einen Netzwerkanschluss werden somit acht Adern benötigt. Für eine Doppeldose mit zwei RJ 45 Steckanschlüsse werden also – wie oben schon erwähnt – zwei LAN-Kabel benötigt.

Mantelt man die äußere Hülle des Netzwerkkabels vorsichtig! ab, so kommen die extra in Folie geschirmten Adernpare zum Vorschein.

Das Geflecht, welches die Adernpaare zusammenhält, kann vorsichtig nach hinten gezogen und mit Elektroklebeband befestigt werden.

Wie gerade erwähnt hat das Netzwerkkabel nun 4 einzeln abgeschirmte Paare mit den folgenden Farbcodes:

  • Blau/Weiß
  • Orange/Weiß
  • Grün/Weiß
  • Braun/Weiß

 Adernpaare Cat7

Die oben genannten Farbcodes finden Sie auf der Beschriftung der Dose (oder deren Anleitung) wieder.

Es gibt zwei verschiedene Belegungsarten, die möglich sind und im heutigen Netzwerk funktionieren. TIA 568 A und TIA 568 B.

Aufgrund meiner Erfahrung empfehle ich ein Auflegen nach TIA 568 B, wenn möglich und nicht schon anders im Netzwerk vorhanden. Meist sind die beiden Varianten nur mit A) oder B) beschriftet.

Der Unterschied dieser beiden Anschlussarten liegt bei zwei Adernpaaren: Orange/Weiß und Grün/Weiß. Ansonsten sind beide Anschlussarten gleich.
Wichtig: Wenn man sich für eine der beiden Normen entschieden hat, ist diese konsequent im kompletten Netzwerk an allen Anschlüssen gleich zu verwenden.

Hier nochmal zur Verdeutlichung eine Übersicht:

  T568A T568B
Pin 1 Weiß/Grün Weiß/Orange
Pin 2 Grün Orange
Pin 3 Weiß/Orange Weiß/Grün
Pin 4 Blau Blau
Pin 5 Weiß/Blau Weiß/Blau
Pin 6 Orange Grün
Pin 7 Weiß/Braun Weiß/Braun
Pin 8 Braun Braun

Das Kabel kann nun wie folgt beschrieben auf der Dose aufgelegt werden. Es ist daran zu denken, das kabel zuvor evtl. durch den Dosenrahmen der Aufputzdose zu führen. Nachfolgend eine Schritt für Schritt Anleitung:

  • Zu allererst den Dosendeckel öffnen / entfernen.
  • Die Zugentlastungsschraube lösen (muss nicht ganz herausgedreht werden.
  • Das abisolierte Kabel, bei dem der Drathmantel bereits nach hinten fixiert ist, durch die Zugentlastung einführen und die Zugentlastung exakt am Punkt des Drahtgeflechts fixieren. Das zurückgestülpte Geflecht über dem Kabelmantel muss mit der Zugentlastung Kontakt haben und fest verbunden sein.
  • Nun sind die Adernpaare mit einem LSA+ Auflegewerkzeug in die entsprechenden Klemmen nach der Norm (Tabelle bzw. Farbcodes oben) aufzulegen. Dies erfordert etwas Geschick. Es ist einfacher, wenn die Dose dazu auf einem festen Untergrund aufliegt.
  • Wenn alle Adernpaare aufgelegt sind, den Dosendeckel wieder anbringen / befestigen.
  • Die Dose in den Aufputzdosenrahmen einführen. Auch hier ist oft etwas Geschick und ein wenig Kraft erforderlich.

Datendose auflegen

Zu guter letzt kann die Datendose an der Wand angebracht und beschriftet werden!

Der Vorgang ist nun für alle Dosen zu wiederholen.

Wenn alles geklappt hat, gibt's am Ende ein funktionierendes Netzwerk und ein Netzwerkkabel kann nun an der ersten Dose angeschlossen werden und gibt somit das Netzwerksignal weiter zur zweiten Dose.

Ich hoffe, ich konnte mit dieser Anleitung etwas weiterhelfen. Wer noch etwas Unterstützung bei diesem doch komplexen Thema benötigt, der schreibt mir gerne unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Stefan Willig

Über den Autor: Stefan Willig

Der, mit der Idee für diesen Blog.
Aus Aschaffenburg, dem bayerischen Nizza. Webentwickler und Vollblut-ITler.

Der Blog finanziert sich durch Partnerlinks zu verschiedenen Produkten.
Drück doch bitte mal drauf! :-)

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Kommentare

Gravatar

1 Jahr 4 Monate
test
test test hallo des ist ein test